Ehemänner und Ehefrauen (1992)

Ehemänner und Ehefrauen (1992)

Gesetz Nummer 1: Ein Film von Woody Allen ist nur echt mit Woody Allen in der Hauptrolle.


…lesen Sie dies und mehr in: Filmgespräche I


Und doch ist hier alles anders: Woody macht ernst. Nach Gags, Slapstick, Beziehungskomödien nun Ehemänner und Ehefrauen. Roh, hart, real, analytisch. Kaum ein Gag, der als mehr als ein staubiger Hauch daherkommt. Doch Woodys Stärke seiner vorletzten Periode sind nicht mehr seine originären Gags, sondern, dass seine Drehbücher voller unerwarteter Wendungen sind und ihr Tempo niemals nachlässt – ein wenig, wie der New Orleans Jazz, den Woody so schätzt.

Keine Musik, krude Schnitte wie zuletzt in Stardust Memories und bald darauf nochmal in Harry außer sich. Ehemänner und Ehefrauen ist wohl der erste Film in dem Woody seinen Schauspielern keine Garderobe mehr zur Verfügung stellte. Sie mussten genau so und genau in den Kleidern vor die Kamera, in denen sie am Set ankamen – letztlich eine weitere unorthodoxe Methode Realität herzustellen.
Lange vor Blair Witch Project und Cloverfield wackelt Woody hier mit der Handkamera dokumentarisch durch diesen, seinen eigenen Realo-Horrorfilm. Freilich ist der Horror, mit dem er operiert die Beziehung zwischen Männern und Frauen – Umpf.

»Der einzige gemeinsame Orgasmus den Herr und Frau Pipkin je hatten, war, als ihnen der Scheidungsanwalt die Scheidungsurkunden überreichte.«

Diese Haltung liegt in etwa Ehemänner und Ehefrauen zugrunde. Es wäre überzeichnet zu behaupten Woody wäre frustriert, was die Ehe angeht, desillusioniert, was das Miteinander von Männern und Frauen angeht, aber irgendwie spricht dieser Film genau diese Sprache. Die Verlockung ist überall, kaum eine Frau ist uninteressanter als die eigene.

Und als tragende Struktur eine Story, die geradezu überquillt vor Beziehungspsychologie, der Doppelbödigkeit der Spiele der Frauen und ihrer Verlogenheit. Woody nimmt kein Blatt vor den Mund, nennt alles klar und hart beim Namen.

Männer und Frauen wollen immer dasselbe: wenn sie eine Beziehung haben, träumen sie von Freiheit und Unabhängigkeit, wenn sie allein sind träumen sie von Vertrautheit und Verlässlichkeit. Und immer so weiter…

Im Grunde zeigt Woody das Leben ewiger Twens, die niemals erwachsen werden – letztlich, weil sie alle kinderlos sind…


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