Im Auftrag des Teufels (1997)

Im Auftrag des Teufels (1997)

Liebe? – Überschätzt! Chemisch nicht mehr als Unmengen von Schokolade. Der Teufel persönlich argumentiert.


…lesen Sie dies und mehr in: Filmgespräche I


Ein Leckerbissen für jeden Zyniker. Wo ist er? ruft Al Pacino aus, und er meint IHN, Gott. Wo ist er? Und dann gibt er gleich selbst die Antwort: Er sieht nur zu, er ist ein Voyeur. Ich bin hier, brüstet er sich, ich bin Humanist! So sieht es also aus, wenn der Teufel persönlich für sich spricht, seine Seite darstellt, ein Plädoyer für sein Engagement um die Menschen hält und sich freilich im selben Atemzug nach seiner Facon freispricht vom Leid, das er gibt und seine Freude an den Menschen darstellt, denn er mag die Menschen – sie sind so leicht zu verführen.

Der Teufel ist Anwalt – irgendwie auch klar. Und er bringt seine Sache in die Welt indem er, nun was schon, den Schuldigen zum Freispruch verhilft, ihnen eine Art teuflischen rechtsfreien Raum verschafft und so das Böse in der Welt am Leben erhält, es nährt, sich daran ergötzt. Nein, Im Auftrag des Teufels ist kein moralisches Rührstück. Nur bissig, sarkastisch, amüsant, böse – und gruselig.

Und Keanu Reeves darf wieder einmal seine bevorzugte Rolle spielen: den Auserwählten, den Messias, oder zur Abwechslung mal den diametral Entgegengesetzten – aber dabei nicht von minderer Bedeutung. Eben wie gehabt: Keanu als Neo in Matrix: der Messias, der Befreier, der Eine, der, der da kommen wird. Keanu in Little Budda: der Budda. Keanu in Constantine: der rettende Engel. Und so weiter. Nun, warum auch nicht. Jeder hat seine kleine Schwäche, bei Keanu ist es vielleicht, ebenso wie bei seiner Rolle hier: die Eitelkeit.

Und er spielt ihn im Grunde so, wie immer. Überrascht, überfordert, ein bisschen einfältig, ein bisschen übersinnlich. Aber da ist auch noch Al Pacino. Und ein bisschen, wie seine Figur jeden Menschen überragt, so überragt er alle anderen Schauspieler – freilich nicht an Körpergröße, doch auch das ist teil seiner Tarnung und seines Rates: Du musst den Ball flach halten, dein Gegner muss Dich unterschätzen, und dann kannst Du ihn überraschen, aus dem Hinterhalt, unerwartet. Pacino ist genial, ein bisschen überirdisch, manisch, faszinierend, animalisch.

Bei aller Ironie sollte nicht vergessen werden, dass es sich hier um eine gut gemachte Story handelt, die zwar wieder einmal die Weltherrschaft zum Thema hat, diese kleine oder große Schwäche des Amerikanischen Films aber erfreulich wenig zutage tritt. Zu gut sind die kleinen Stories, die als Prozesse vor Gericht für Keanu daherkommen, zu unheimlich das Wirken der Gehilfen des Teufels im Hintergrund, zu packend die Schicksale der Gefallenen, die IHM willfährig dienen, bis er sie vernichtet – mit einem Handstreich. All das ist rund und unterhaltsam und gruselig, eben das, was es sein soll.


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