Gesichtsbekanntheit zählt

Irrtum 22: Die Uni ist als Ort des Geistes allein auf die intellektuellen Leistungen fokussiert, alles andere spielt keine Rolle.

Wenn Du es jetzt immer noch nicht begriffen hast nochmal im Klartext: die Uni ist nur so lange ein Ort des Geistes, bis das allgegenwärtig Menschelnde, Eitle, Triebhafte und Machtgeile die Kontrolle übernimmt. Und das ist so ungefähr 10 Sekunden nach der Immatrikulation.


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An der Uni agieren Menschen miteinander und nur weil sich die Uni-Belegschaft aus einer klaren Tendenz zur Eitelkeit und aus Überlebenstrieb, ihren Ruf entsprechend zu hüten und auszubauen stets als etwas anderes produzieren, als sie wirklich sind. In Wahrheit geht es ebenso zu wie in jedem anderen Zoo: wer Dich kennt, wird Dich anderes – sagen wir es gerade heraus: besser – behandeln, als der, dem Du als Fremder gegenüberstehst. So sind die Menschen.

Selbst höchst oberflächliche Bekanntheit, ‘Gesichtsbekanntheit’ zählt. Denn jede andere Form der Bekanntheit mit Studenten ist den Professoren zumeist unangenehm, denn man könnte erstens herausfinden, dass sie nur mit einer gottgleichen Fassade herumlaufen, es aber in Wahrheit gar nicht sind: gottgleich. Und zweitens, es könnte an ihrem Renommee Kratzer hinterlassen, wenn sie sich zu sehr mit dem Fußvolk der Studenten gemein machen. Und drittens kommt der Professor in den Verdacht der Vorteilsvergabe, wenn er allzu sehr einem Studenten (oder einer Studentin) seine ungeteilte Aufmerksamkeit widmet.

Distanz ist also angesagt, die Gefahr, dass ein Professor einen zum Grillen einlädt ist denkbar gering. Also ist jeder Kontakt auf genau diese oberflächliche, hab-ich-schon-mal-gesehen oder wer-ist-das-denn-ist-der-neu Binärunterscheidung begrenzt.

Wer aber in der Binärunterscheidung in die erstere Kategorie fällt, der hat gut Lachen. Denn natürlich wird der Professor nach dem zweiten oder dritten Zusammentreffen (möglichst mit Namen und einigen freundlichen Small-Talk-Worten) den Studenten wahrnehmen, wenn er ein- oder zweimal fachlich positiv aufgefallen ist, etwa durch Fragen in der Klausur oder durch einen gut vorbereiteten Besuch in seiner Sprechstunde, so wird der Professor sich das merken und wenn er entweder einmal sich bereits als Unterster an seinem Lehrstuhl etwa als Studienarbeiter oder Wissenschaftliche Hilfskraft gezeigt hat (am besten wieder freundlich und deutlich mit Namen), so gehört er für den Professor schon beinahe zum Inventar.

Und eines tun Professoren: sie protegieren die Ihren dann, ebenso, wie sie die nicht-Ihren zu demontieren suchen. Aus Langeweile, aus Geltungsdrang aber auch, weil das natürlich die Ihren besser aussehen lässt, wenn man die Anderen schlecht aussehen lässt. Besser also Ihr gehört schnell zu den ‘Ihren’.

Es ist also wichtig sich erstens frühzeitig eine sympathische und ansonsten auch zielführende Fachrichtung zu suchen, auf die man sich spezialisieren möchte und sich an diesen Lehrstuhl und seinen Inhaber (den Professor) frühzeitig anzunähern.

Denn hat der Professor erst einmal das Bild, dass man zu einem der Seinen geworden ist, so gehen die Dinge einfacher und man hat gute Chancen nicht nur in Prüfungen, sondern auch auf eine Stelle als Diplomarbeiter, und danach auch als Doktorand. Professoren protegieren die Ihren. Denn sie sind ihr Kapital, sie machen ‘Ihre’ Arbeit, die sie anschließend als die Ihre – die Studenten resp. Doktoranden sind dann längst weitergezogen und verfolgen ihre Karriere außerhalb der Uni.

In jedem Semester

… gibt es den Kerl, der nervt. Er sitzt immer in der ersten Reihe, er fragt nach jeder Vorlesungsstunde irgend etwas beklopptes und nach kurzer Zeit ruft der Professor ihn auch noch mit Namen auf »Ja bitte, Herr Y«. Der Kerl schleimt, er nervt.

Aber dieser Kerl tut genau das Richtige.

Aber sind das nicht laute und aufgeblasene Idioten, die das tun? Ja, das sind…


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