216 Vom kleinen Ego und dem Großen Ich

Großes Ich - Eckhart Tolle

Zwei Stimmen wohnen ach in des Menschen Brust: das kleine Ego und das Große Ich.

Einmal mehr erkennen wir, dass der Mensch über zwei grundsätzliche Betriebsmodi verfügt.


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Vom kleinen Ego, dem Großen Ich.

Das kleine Ego

Die meisten Menschen in unserer heutigen Zeit agieren aus ihren kleinen Ego. Dieses ist gekennzeichnet vom Wollen. Es agiert egoistisch, es ist leicht erzürnt und identifiziert sich dann selbst voll mit dem Zorn, dem Hass, der daraus resultierenden Herabsetzung anderer, der Überhöhung des eigenen Selbst und der eigenen Ziele.

Das kleine Ego ist voller Angst. Angst seine Ziele nicht zu erreichen, Angst vor Widerständen, Angst vor sich selbst und der eigenen Courage. Das kleine Ego agiert regelrecht aus Angst. Aus Angst nicht zu überleben, aus Angst vor dem finanziellen Ruin, aus Angst vor dem Verlust von lieb gewonnenen und gewonnenem. Aus dieser Angst rekrutiert es seine Energie, diese Angst treibt es an, diese Angst lässt es regelmäßig moralische Grenzen sprengen — es geht ja letztlich um sein überleben und das ist Grund genug, rücksichtslos zu sein.

Dabei ist das kleine Ego auf verlorenem Posten. Es agiert ohne Gefühl, rein aus dem Verstand und seinem Lieblingswerkzeug, der Logik. Es hat weder Intuition, noch Empathie und schon gar nicht Charisma. David Hawkins würde sagen, es hat nur Force, aber keine Power. Die Macht die es hat ist rein weltlich und materiell, aber nicht göttlich. Daher ist sein Dasein ein steter Kampf gegen die Elemente. Es agiert nur mit dem, was seine Hände Arbeit zu erreichen vermögen – und das ist sehr begrenzt. Daher kämpft und kämpft es einen aussichtslosen Kampf und ist angetrieben von Mangel an Vertrauen und Angst und bedient sich aller unmoralischen und gewaltsamen Mittel, um seine kleinen Ziele zu erreichen.

Das kleine Ego ist der Demiurg der Gnostiker, das Wesen in uns, das uns glauben machen will, es gäbe keinen Gott außer ihm. Es ist der Grund, warum wir nicht mehr im Paradies leben. Das kleine Ego ist das Luziferische in uns, das Licht der Erkenntnis, das Licht des Verstandes, den Eva Adam im Paradies von der Schlange eröffnet – und zugleich die Entfernung von Gott und allem Guten. Das kleine Ego ist das Unbewusste und Zerstörerische in uns, das uns glauben machen will, es sei das wahre Bewusstsein – dabei ist es nur ein Betrüger. Das kleine Ego ist Ausdruck unserer materiellen sterblichen Hülle, das höchste, was unser materielles Gehirn aufzubieten vermag. Aber es ist nichts im Vergleich zum Großen Ich. Denn es ist nur menschlich, nur sterblich.

Das kleine Ego sollte ein Werkzeug sein, eines viel größeren, aber leicht in Vergessenheit geratenen viel größeren Ichs. Aber weil das Große Ich so still ist und sich nicht in den Vordergrund drängt, wird es leicht übersehen und gerät in Vergessenheit. Daher übernimmt das Werkzeug des kleinen Ego, der frühere schönste Engel Gottes, der Verstand des Menschen, die Herrschaft und schwingt sich zu Luzifer auf, dem Lichtbringer und mutiert in seiner Anmaßung bald zu Satan, dem Feind der Welt. Und dann ist das kleine Ego nicht mehr der schönste Engel, das wunderbarste Werkzeug, der Verstand (was es sein sollte), sondern mutiert zum wütenden, gottlosen, Gott verleugnenden Diktator unseres Selbst. Und wird damit zum Problem, weil es beständig aus seiner Angst heraus Böses gebiert.

Es macht Menschen zu Feinden, regt sich über alles und jede Kleinigkeit auf, hat zunehmend Angst vor allem und Jedem und bringt so den Menschen, der sich darauf verlässt direkt in die Hölle. Und Menschen um sich herum gleich mit.

Die meisten Menschen heute glauben, dass das kleine Ego der einzige Betriebsmodus ist in dem Menschen sein können. Sie halten das ständige egoistische Streben und Wollen für normal. Sie halten das über-Leichen-gehen für normal, um ihre kleinen egoistischen Ziele ‘gegen alle’ durchzusetzen.

Aus aller Kommunikation und Bildung wird ihnen Anlass dazu gegeben genau das zu glauben. In den Medien, aber auch bereits in den Ausbildungseinrichtungen werden sie dazu animiert, sich nur auf ihren Verstand zu verlassen. Kreativität, Intuition, Gefühle werden ihnen regelrecht abtrainiert und sie werden zu luziferischen Verstandes-Maschinen herangezogen, um als gefühllose, unintuitive und unkreative Arbeitsdrohnen ihren ‘Dienst’ in der Gesellschaft zu leisten.

Es ist übrigens kein Wunder, dass das kleine Ego mit Angst und Vermeidungsstrategien agiert. Der Verstand ist ursprünglich ein Werkzeug des Schutzes, also des Vermeidens von gefährlichen, potentiell lebensgefährlichen Situationen.

Es ist also entwicklungsgeschichtlich seine Aufgabe von Anfang an gewesen, Angst zu machen um Sicherheit zu gewährleisten. Es ist demnach also auch kein Wunder, dass vom Verstand geleitete Menschen in permanenter Angst leben. Sie haben den Sicherheitschef zum Kapitän ernannt.

Das Große Ich

Demgegenüber steht das Große Ich. Es ist gekennzeichnet durch Dankbarkeit, Freude, Liebe, Selbstsicherheit, Großzügigkeit, Friedfertigkeit, Sanftmut.

Und zwar genuin, also ohne das aktive Wollen oder Herbeiführen dieser Haltungen. Sie kommen von selbst, wenn man sich im Großen Ich bewegt.

Das Große Ich ist in Ruhe. Es bringt die Ruhe mit sich, in der die Kraft liegt. Das Große Ich ist ohne Wollen und Müssen, es ist hier und jetzt, genießt das Dasein ansich und blickt von dieser Warte aus mit Zuversicht und Liebe in die Welt.

Das Große Ich ist verbunden mit der sanften inneren Stimme der Intuition.

Das Große Ich ist das Paradies im Diesseits.

Der schwierige Teil der Geschichte besteht darin, wie man in der Betriebsmodus des Großen Ich gelangt.

Der übliche Weg, Dankbarkeit, Freude, Liebe und Großzügigkeit zu empfinden, führt leider nur zum erbitterten Widerstand des kleinen Ego.

Wie aktiviert man das Große Ich?

Offensichtlich ist des wünschenswert in dem Modus des Großen Ich zu agieren und das kleine Ego als das zu erkennen, was es ist: ein Werkzeug, oftmals ein Störenfried, ein Ursupator, ein Demiurg, Luzifer, aber nicht Gott.

siehe auch:

Spirituelles Manifest

Bewusstsein

Denken steuert Fühlen