189 Nicht bewerten

Nicht bewerten

Viele Psychologen und Ratgeber raten dazu nicht zu bewerten und zu beurteilen.
Warum?

Der Gründe sind vier:


…lesen Sie dies und mehr in: Gedankenspiele 9


1 Der Verstand schlussfolgert, dass andere einen ebenso kritisch beurteilen, wie man selbst die Anderen beurteilt. Denke ich ständig kritisch und abschätzig über andere Menschen, die mir begegnen, geht mein Verstand automatisch und implizit davon aus, dass viele andere Menschen, die mir begegnen, mich ebenso schnell und kritisch aburteilen. Dies leitet der Verstand sozusagen aus unserem eigenen inneren Verhalten ab.

Und da der Verstand unsere Vorstellung von der Welt definiert, leben wir dann in einer Welt aus kritischen, tendenziell abschätzigen, oder sogar abwertenden Menschen, die uns ständig kritisch beäugen und keine Gelegenheit auslassen über uns zu lästern. Dies ist dann das Bild der Welt, das wir haben. Keine Welt, in der es sich entspannt und selbstbewusst lebt.

Es ist dabei übrigens völlig unerheblich ob dies ‚wirklich‘ so ist, also andere einem kritisch oder überkritisch begegnen oder nicht. Die eigene Wahrnehmung wird viel stärker vom eigenen Verstand beeinflusst, als von dem, was ‚wirklich‘ passiert. Denn das was wirklich passiert durchläuft immer erst den Filter und die Interpretationsmaschine Verstand. Dort wird alles beobachtete aber erst ‘auf Linie’ gebracht, also an die Glaubenssätze und Weltmodelle des Verstandes angepasst, bevor es unserer Erfahrung hinzugefügt wird.

Was ist der Ausweg? Wenn man selbst aufhört, andere zu beurteilen, zu verurteilen und abzuwerten, lässt auch die beständige Vermutung nach, sie würden einen ebenso kritisch beurteilen. Und damit wird man freier und ungehemmter, letztlich beginnt man immer mehr man selbst zu sein und nicht mehr der verunsicherte, überselbstkritische Dauerkritiker der Welt.

2 Eine Bewertung ruft den Verstand auf den Plan, kommt aus ihm und dem Ego. Verstand und Ego ziehen aber oft eine gefährliche Befriedigung daraus, andere schlecht zu machen, oft schlechter als sie bei Licht besehen sind. Da aber der Verstand und sein Ego mehrheitlich für negative Gefühle verantwortlich ist, bringt ein Urteil automatisch unsere negativ-denken-Maschine ins Spiel und auf den Plan. Das ist per se nachteilig.

Der Verstand neigt dazu andere negativ zu bewerten. Vor allem dann, wenn man sich selbst als geringwertig erlebt, versucht der Verstand den eigenen Selbstwert zu erhöhen, indem er andere erniedrigt. Dies führt jedoch in die Abwärtsspirale. Der Verstand erniedrigt andere, glaubt daraus folgend von anderen ebenso kritisch und abwertend und erniedrigend wahrgenommen zu werden und der Selbstwert sinkt dramatisch.

Was ist der Ausweg? Man kann nicht beeinflussen, was andere vielleicht denken. Aber man kann beeinflussen was man selbst denkt. Und wenn man selbst aufhört mit dem Verstand und seinem verletzten Ego andere abzuwerten, so nimmt auch die Angst von anderen abgewertet zu werden ab.

3 Eine weitere daraus folgende Gefahr ist, dass der Verstand ein solches schnelles Urteil über einen anderen Menschen nur allzu gern sich selbst und seinen weit überschätzten analytischen Fähigkeiten schlicht glaubt. Wenn ich denke, was für ein ‚seltsamer‘ Mensch, ist dieser Mensch ab diesem Zeitpunkt für mich ‚seltsam‘ und es braucht einen gehörigen positiven Eindruck, von dieser ‚Diagnose‘ wieder wegzukommen.

Damit wird aber die Kommunikation mit diesem Menschen von Anfang an schwierig, weil der Verstand auch dann noch allzu gern an seinem ersten (überwiegend oft kritischen) Urteil festhält und die Begegnung mit diesem Menschen entsprechend negativ beeinflusst. Dieses Vorurteil steht aber einer offenen und wertneutralen Begegnung mit diesen Menschen dann im Weg. Stattdessen wird eine Begegnung in der Regel so interpretiert, dass das Vorurteil des Verstandes sich bestätigt. Wird der Mensch vom Verstand vorschnell als ‚seltsam‘ abgewertet, so wird bei einer längeren Begegnung, die ein echtes Kennenlernen ermöglichen würde aber nur die Eigenschaften des Menschen noch verstärkt wahrgenommen, die das bereits vorschnell gefasste Vorurteil bestätigen. Der Verstand ist eine große Selbstbestätigungsmaschine. Alles was zu seinem bereits gefällten Urteil nicht passt wird regelrecht aus der Wahrnehmung ausgefiltert oder als Fehler oder Ausnahme wahrgenommen. Der Verstand versucht uns also bei einem kritischen Vorurteil stets zu bestätigen, dass das kritische Vorurteil auch stimmt. Das Ergebnis ist, dass wir von schlechten Menschen umgeben, regelrecht umzingelt zu sein scheinen.

Was ist der Ausweg? Sich bewusst sein, dass viele kritische und überkritische Einwürfe des Verstandes nur eine Illusion sind. Den Menschen mit dem Herzen sehen. Das Herz kann vieles sehen und wahrnehmen, zu dem der Verstand außerstande ist. Letztlich, weil der Verstand gerne die Logik bemüht, eine Situation zu analysieren. Die Logik ist aber nur ein Teil der Welt. Viele Dinge verhalten sich nicht logisch, weil sie

4 Das Modell des Verstandes ist schmalbanding und einseitig auf Logik orientiert. Es ist nicht imstande die Komplexität der Welt adäquat abzubilden. Mit anderen Worten: die Urteile des Verstands sind oft nur Störfeuer ohne weitergehenden Nutzen.


…lesen Sie dies und mehr in: Gedankenspiele 9


siehe auch:

Spirituelles Manifest

Vom kleinen Ego und dem Großen Ich

Bewusstsein

Denken steuert Fühlen