The Big Lebowski (1998)

The Big Lebowski (1998)

The Big Lebowski als die beste Komödie aller Zeiten zu bezeichnen ist eine Unterreibung. Wahrscheinlich ist er der beste Film aller Zeiten. Und viele, gar die meisten, die das hören sagen nachdem sie ihn dann gesehen haben: naja, so lustig war der doch eigentlich gar nicht. Ein Phänomen. Und die Ursache ist eigentlich ganz simpel.


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Wie bei den Coens – und der Lebowski ist ein Coen durch und durch – üblich ist der Trumpf des Films der Wortwitz. Allein 250 mal sagen der Dude und Walter in den nur 127 Minuten des Films ‘Fuck’ – für die etwas rustikaleren unter uns aber auch für alle anderen ein Running Gag der elementarsten Sorte, sozusagen auf elementarster Ebene. Aufgrund abweichender Konnotation und der Vielgestaltigkeit aber doch deutlichen Abweichung des deutschen Schipfwortoevres vom angelsächsischen Schimpf leider völlig unübersetzbar. Doch da sind noch so viele kleine und größere Feinheiten in den Dialogen versteckt, die nur im Original sichtbar werden. Da sagt in den ersten Minuten des Films George Bush I über Saddams Überfall auf den Irak ‚This agression against Kuwait will not stand’ und viel später, als der Dude sich bei Lebowski beschwert, der Typ, der eigentlich die Schulden von Lebowskis Frau eintreiben sollte hätte auf seinen Teppich uriniert und Lebowski soll die Reinigung bezahlen und Lebowski sich harsch wehrt, da sagt der Dude ‚You know man, this agression will not stand… man’. Kann Ironie noch subtiler daher kommen?

Ein Genuss darüber hinaus, die Hauptdarsteller: Jeff Bridges ist wohl einer der meist unterschätzen Schauspieler Hollywoods. Der grenzgeniale Auftritt von John Goodman als Walter hätte allein einen Oscar für Skurrilität und Originalität verdient. John Turturro diesmal in einer hanebüchenden Nebenrolle, jedoch immer ein Zeitlupenstudie wert.

Dieser Film quillt über vor Situationen, Szenen und Dialogen in denen Absurdität die Regel ist. Ein Film, der eine Stimmung vermittelt, eine sich langsam, und dann immer komplexer sich entfaltende Räuberpistole erzählt in die man ebenso lautlos verstrickt wird, wie der Dude, der eigentlich nur die Reinigung seines verschmutzten Teppichs bezahlt haben wollte – weil er über eine Namensgleichheit stolpert.

Und auch wenn der Dude ein arbeitsloser ex-Hippie ist, der seine Zeit mit Joints und Bowling und White Russian Drinks verbringt, so ist er auf skurrile Weise in dieser Geschichte irgendwie der einzig normale, der einzige, der irgendwie zurechnungsfähig wirkt, der einzige mit dem man sich identifizieren möchte, weil er ein Herz hat, weil er noch ein bisschen Vernunft hat und weil er sich von dem Wahnsinn, der um ihn herum passiert irgendwie einfach nicht anstecken lässt, sondern ruhig und entspannt und fair sein Dasein – genießt möchte man fast sagen. Wahrscheinlich ist es das, was diesen Charakter so besonders macht. Er ist einer der wenigen Helden der Filmgeschichte der nur herumgeschuppst, weder der Situation noch des Fortgangs Herr ist und dabei aber seine Würde nicht verliert, der mit jedem menschlich umgeht obwohl ihn alle treten, der ehrlich und authentisch ist und die Verrückten um sich herum trotzdem leben lässt, der das tut, was wir alle gerne tun möchten: Leben, ohne weh zu tun und ohne zu sehr unter dem Wahnsinn der anderen zu leiden.

Und diese Atmosphäre macht den Film am Ende aus. Nach eine haarsträubenden Handlung bleibt dieses Gefühl, dass es nach all den Hauruck-Helden, die den Tag und die Welt retten und dabei so viel Kollateralschaden anrichten, dass es für einen mittleren Bürgerkrieg reicht, einmal einen Helden gibt, der die Welt auf eine ganz einfache weise rettet,: indem er kein großes Aufhebens macht, indem er ruhig seine Bahn zieht und alle leben lässt. ‘The Dude abides.’

Der Film endet nach all dem Chaos nicht in einer großen selbstgerechten Racheaktion, nicht in einem alle-Bösen-sind-tot und das Gute obsiegt, sondern viel weiser, viel stiller, in einer Mixtur aus Trauer um die zu verzeichnenden Opfer und einem melancholischen ‘Fuck it Dude, let’s go Bowling’. Er endet damit, dass alle wieder das tun, was sie am Anfang getan haben und als einziger Trost ein kleiner Lebowski unterwegs ist, der die Linie fortsetzen wird. Ein Film über Bowling eben. Ein Hoch auf die Coens.


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