Lost in Translation (2003)

Lost in Translation (2003)

Wundervoll bedeutet voller Wunder.


…lesen Sie dies und mehr in: Filmgespräche III


Kleiner Wunder freilich, aber es bleiben Wunder. Bill Murray gehört sicherlich zu den meist-unterschätzten Hollywood-Stars. Sein lakonischer Humor, ähnelt zwar zuweilen dem Nicht-Schauspielern mancher Superstars, hebt sich in Ausdruck und Suggestion jedoch mehr als deutlich von diesen ab. Murray ist ein Meister der kleinen Momente und der zurückgenommenen Gesten.

Die Ausstrahlung der Johansson fließt ebenso aus ihrer ruhenden Teilnahmslosigkeit. Daraus, dass sie in sich selbst zu schlummern scheint, unbewusst und doch auf teilnahmslose Weise bewusst sich derer, die sie betrachten, bewundern, bestaunen in ihren eigenwilligen und doch so perfekten Formen. Das macht sie zu einer fleischgewordenen Lobeshymne auf die Melancholie und die Stille, in der die Kraft liegt, ein Statement gegen die Armee verwechselbarer gewöhnlicher Einheitsblondchen des Showbiz, eine griechische Statue gegen den billigen Silikon-Chirurgen-Look aus dem Katalog und ein Hohelied für die Eigenständigkeit des Äußeren, wo in der Persönlichkeit mehr Schönheit liegt als in der Vorschriftsmäßigkeit der Folgeleistung aller Vorgaben der tumben Mehrheit im Mittelwert der konsumierenden Zuseher.

Gleichsam dieser Film für sie auch der Startschuß für eine brillante Karriere, die über das Mädchen mit dem Perlenohrring und Woody Allens Match Point führt und am ehesten etwas von dem alten Hollywood-Glamour der Diven vom Schlage einer Hepburn, A. oder Monroe, M. hätte, würde, ja würde Hollywood den vielvermißten Glamour nicht selbst mit totplärrenden Trailern und 1:1 in Moneten umzuwandelnde Ex-Prostituierte täglich aufs Neue wieder selbst zerstören. So geht eine Blüte wie die Johansson unter im Lärm der Mittelmäßigen und Lauten und so ermüdend plumpen Busenwunder und bleibt andererseits gerade deswegen zu entdecken für den geschmackvolleren und Anspruch nicht nur heuchelnden Teil der Zuschauerschaft.

Und die dritte Wundertäterin im Bunde, die diesen Film zu einem besonderen Kleinod macht ist die Coppola-Tochter Sophia. Als Regisseurin montiert sie die wunderbar fotografierten und mit so langsamer Eleganz erblühenden Szenen lose und unverkrampft aneinander, dass Sympathie für Land, Leute und die Leiden der Hauptfiguren gleichermaßen Raum und Platz bekommen.

Ein unverbrauchtes Setting, eine Johansson, die nie wieder so glaubwürdig die Unschuld in Person verkörpern können wird, ein Murray, der vor Routine strotzt und doch das Neue noch zu sehen vermag. Und dann ein Ende, das so elegant zwischen den Extremen sich mittig einpendelt, dass es eine Freude ist.


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