Eyes Wide Shut (1999)

Eyes Wide Shut

Pünktlich zum Anbruch des neuen Jahrtausends war es erneut Stanley Kubrick, der allen voraus war. An anderer Stelle schrieb ich ‘die Verschwörungstheorie ist die Pornografie des 21. Jahrhunderts’. Und Kubrick machte einen Film zu diesem Thema, noch bevor die Ereignisse von 2001 und ihre ‘offizielle’ mediale Interpretation so viele Menschen an den offiziellen Versionen von politisch derart brisanten Großereignissen zweifeln lies, dass damit das Thema der Verschwörungstheorie und ihrer Verfechter auf den Plan gerufen wurde und der dem Rufmord nahestehenden Begriff des ‘Verschwörungstheoretikers’ erfunden wurde.


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Der entscheidende Faktor für diese Entwicklung, für diesen breiten Zweifel an dem, was Regierungen, Medien und Meinungsführer über wichtige Wendungen der Geschichte uns wissen lassen (wollen), war einerseits das Internet als Plattform für den ungefilterten Meinungsaustausch und andererseits die breite Verfügbarkeit von Geräten, um selbst solche Ereignisse spontan aufzeichnen zu können.

Am 22. November 1963 brauchte es noch einen vermögenden Abraham Zapruder und seine gerade neu gekaufte Super-8 Kamera, um die offizielle Version des Einzeltäters auf der Dealey Plaza in Dallas in Zweifel zu ziehen. Damit hatte wohl keiner gerechnet: dass ausgerechnet direkt am Ort des Attentates eine Kamera alles aufzeichnen würde.

Am 11. September 2001 gab es schon dutzende von ‘Zapruders’, die die Einschläge in die Türme und vieles darum herum filmen konnten. Und im selben Umfange verdutzendfacht haben sich die Ansichten darüber, was wirklich an diesem Tag passiert sein mag, resp. für welche Hintermänner die eine oder andere Beobachtung spricht. Unter diesen ist die ‘offizielle’ Fassung nur noch eine Lüge unter vielen.

Stanley Kubrick ist zweifellos einer der bedeutendsten und ausdrucksstärksten Regisseure der Filmgeschichte. Und er gehört zu der Sorte Perfektionist, die es schaffen in fast 50 Jahren Filmschaffen nur (ausgerechnet) 13 Filme gedreht zu haben. Aber diese sind beinahe alle schwergewichtigste Werke ohne Parallele. Titel wie Wege zum Ruhm, Spartacus, 2001, Shining, Full Metal Jacket und das verstörende Clockwork Orange.

Kaum einen Kubrick Film kann man einfach so konsumieren, die meisten schockieren durch Drastik, entsetzen durch die Dramatik ihrer Geschichte und verwirren durch ihre moralischen Dillemata. Nicht ganz umsonst gibt es zu allem Überfluss die Verschwörungstheorie, Stanley Kubrick selbst habe im Auftrag von Richard Nixon die Mondlandung in den Area-51-Studios gedreht. Kubrick ist der Mann, dem man das 1969 zugetraut hätte, nachdem er 1968 mit seinem ungeheuer eigenwilligen Weltraumepos ‘2001’ verwirrt und schockiert und vor allem Schwerelosigkeit und andere Weltraumphänomene zum ersten Mal in einem Film glaubwürdig dargestellt hatte.

Auch in Eyes Wide Shut schont Kubrick seine Zuseher nicht. Die ersten Bilder,…


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